Größtes Weihrauchfass der Welt

Weihrauch aus dem Heiligen Land

Unter Gewehrfeuer auf der Suche nach Weihrauch

Wie die Wiesentaler Ministranten zu ihrem duftenden Räucherharz kamen

Waghäusel/Jerusalem
Weihrauch zu beschaffen kann zu einem filmreifen Abenteuer ausarten. Das erfuhr der frühere Wiesentaler Pfarrer Michael Dimpfel am eigenen Leib. Wenn in einer Stadt immer wieder Sicherheitswarnungen durchgesagt werden, Aufforderungen, die Gegend schleunigst zu verlassen, wenn aufgeregte Soldaten gar herumballern, der Mufti zu gewaltsamem Widerstand aufruft, wenn finster dreinblickende Gestalten unterwegs sind, die einen Fremden kurzerhand einschließen - dann ist das mehr als ein gebuchter Erlebnisurlaub. Von seiner abwechslungsreichen Weihrauchsuche in Jerusalem berichtete Dimpfel ganz ausführlich, bevor er Vertretern der Wiesentaler Ministranten seine zwei Pakete Jerusalemer Weihrauch aushändigte.

Michael Dimpfel, ehemals Pfarrer von Wiesental und bei den Ministranten sehr beliebt, hatte den Messdienern versprochen, einen ganz besonderen Weihrauch fürs geplante größte Weihrauchfass der Welt zu besorgen. Nicht irgendwo, sondern im heiligen Land, in Jerusalem. Auf einer Pilgerreise setzte er sich von den übrigen Teilnehmern ab und suchte die Altstadt von Jerusalem auf. Im Kopf nur der Gedanke: Wo finde ich ein Geschäft mit gut duftendem Weihrauch?

„Plötzlich spürte ich, wie große Unruhe aufkam. Auf den Straßen herrschte kein Trubel mehr, die Menschen verzogen sich in ihre Häuser. Die Ladenbesitzer räumten ihre Waren im Freien weg und drehten den Schlüssel um. Es wurde allmählich unheimlich,“ erzählte der 49-Jährige. Irgendetwas muss passiert sein. Klärung brachte schließlich ein Anruf: Soldaten der israelischen Armee hatten gerade gewaltsam ein Solidaritätsschiff mit Hilfsgütern für den Gaza-Streifen gestoppt. Bei dem Militäreinsatz auf dem türkischen Passagierschiff „Mavi Marmara“ kamen mehrere Menschen ums Leben, Dutzende wurden verletzt.

Übergabe des Weihrauchs

Ministrantinnen Jessica Wieczorek und Ivana Begic, Pfarrer Michael Dimpfel und Oberministrant Johannes Groß bei der Übergabe des geradezu abenteuerlich erworbenen Weihrauchs.

Weihrauchkörner

Die Regierung in Tel Aviv versetzte die Sicherheitskräfte in höchste Alarmbereitschaft. Besonders im Ostteil Jerusalems, wo die große arabische Minderheit lebt, befürchtete sie Ausschreitungen. Dimpfel: „Ruckzuck standen Soldaten herum und schossen mit ihren Gewehren in die Luft.“ Trotz aller Gefahren beschäftigte ihn die Frage: Wie komme ich zu meinem Weihrauch, auf den die Ministranten ja warten? Da tauchte aus dem Nichts auch noch ein Mann auf, der mit seinem Aussehen und mit seiner Art eher Angst einflößte. Geheimniskrämerisch drängte er den Geistlichen mitzukommen.

Er habe da, etwas abseits in einer dunklen Gasse, etwas Besonderes: einen Weihrauchladen. Kaum hatte er den Deutschen in den Verkaufsraum gelockt, schloss der Jude die Tür ab – und steckte den Schlüssel weg. Pausenlos redete der Weihrauchhändler auf seinen eingeschlossenen Kunden ein und pries seine Weihrauchsorten in höchsten Tönen. Die Sehnsucht nach Freiheit sei für ihn auch ein Grund gewesen, schließlich zwei Kilo Weihrauch zu erwerben: ein Kilo Standardsorte und ein Kilo handgemachter edler byzantinischer Weihrauch. Beides zusammen im Wert von über 200 Euro: das Geschenk für die Wiesentaler Minis.

„Im Vergleich zum alten Rom ist’s erschwinglich“, sagt der Seelsorger und lächelt. Denn vor rund 2 000 Jahren habe ein Kilogramm Weihrauch 13 Denare gekostet. Das sei der Lohn eines Arbeiters von zwei Wochen gewesen, umgerechnet rund 600 Euro.
(Schmidhuber)